Kein Spaß

Wirklich nicht. Nein. Heute ist Samstag. Eigentlich wollte ich nur kurz die Fotos von gestern abend hochladen und dann das Wochenende angehen. Plopp. Neue Nachricht vom Leiter des Supportteams: “Hab dir gerade ein Ticket zu geschoben, dass man als Amoklaufandrohung ansehen könnte.” *nerv*- als ob wir davon in den letzten Monaten nicht schon genug davon gehabt hätten (soviele waren es nicht, aber jede einzelne dieser Dinger geht ohne Ende auf die Nerven, weil das immer ein ziemlicher Hick-Hack ist).

Also ab ins Ticketcenter (das ist das System, über das unser Supportteam eingehende E-Mails bearbeitet) und nachgeschaut. Da waren gleich zwei Meldungen über dasselbe Profil. Ab, auf das Profil. Und was springt einem da schon ganz oben im Status ins Gesicht?

[Nutzername] tötet einen gewissen Lehrer wenn er wieder zurück in der Schule ist -.-”

Sorry. Das geht zu weit. Da gibt es auch keinen “Ermessensspielraum” mehr. Das ist eine glasklare Morddrohung. Oder auch Amokdrohung. Whatever. Kommt für uns für die nun zu ergreifenden Schritte auf dasselbe heraus.

Die sind:

- Screenshot machen

- Profil sperren

- Anzeige erstatten

Sorry. Geht anders nicht. Wir wollen uns den Schuh nicht anziehen, wenn wir so etwas finden, nichts machen, und dann was passiert. Ganz abgesehen davon, dass wir rechtlich dazu verpflichtet sind, so etwas anzuzeigen.

Die grün-weißen silber-blauen Freunde sind zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs und dürften in Kürze auch bei dem Nutzer zu Hause auf der Matte stehen. Nicht schön. Und versaut das Wochenende. Uns, dem betreffenden Nutzer und den diensthabenden Beamten.

Daher klare Aufforderung: keinen Mist mit sowas machen. Das ist kein Spaß.

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12 Kommentare zu „Kein Spaß“

  1. Das ist ja genau der Streitpunkt, den ich so fatal finde. Aeusserungen wie “boah, den kill ich morgen” kenne ich noch aus meiner eigenen Schulzeit, das duerfte es so etwa einmal pro Woche von irgendjemandem gegeben haben. Der einzige Unterschied ist, dass das einfach nur _gesagt_ war, und zwar in einem beschraenkten Personenkreis, der das auch einzuordnen wusste.

    Wenn nun Leute so etwas ueber ihren Status verbreiten, ist das in erster Linie ebenfalls “so dahingesagt”. So wie bei mir auf Twitter oder facebook. Dass diese Aeusserungen aus dem Kontext gerissen von beliebigen anderen gelesen und fehlinterpretiert werden koennen, ist kein bewusstes Feature des Netzes, sondern ein fundamentales Problem. Und damit reiten wir uns in eine sehr prekaere Situation hinein: Wollen wir eine innere Gedankenpolizei installieren, die uns nur noch das veroeffentlichen laesst, was auf gar keinen Fall missverstanden oder sogar als Ankuendigung einer Straftat fehlinterpretiert werden kann? Oder wollen wir in Kauf nehmen, dass uns uebereifrige Netzkontrolleure die Polizei auf den Hals hetzen, weil sie in vorauseilendem Gehorsam die Grenze zwischen Freiheit und Sicherheit moeglichst weit in Richtung der letzteren ziehen — nicht zuletzt auch, um im Zweifelsfall ihren eigenen Hintern zu retten?

    “Keinen Spass” finde ich, dass wir als Team uns dieser Denkart mittlerweile anschliessen und aufgrund einer solchen diffusen Aeusserung — die meines Erachtens ueberhaupt nicht “glasklar” ist — sofort die Polizei zu demjenigen schicken, nur um im Zweifelsfall selbst aus dem Schneider zu sein. Dass unser Wochenende deswegen so sehr versaut ist wie das des Betroffenen, halte ich naemlich fuer eine masslose Uebertreibung.

    -stk

  2. Michael "septicus" Reimann sagt:

    Das hat nichts mit Gedankenpolizei zu tun. Das sind klare Äußerungen, die an öffentlicher Stelle getätigt werden – das sind nicht mehr nur Gedanken, sondern Äußerungen und konkrete (schwarz auf weiss vorhandene) Morddrohungen.

    Ob das einfach nur so dahingeblubbert ist, oder tatsächlich so gemeint ist, das erschliesst sich keinem von uns. Und wenn dann tatsächlich etwas passiert, nachdem dieses durch eine öffentliche Äußerung kundgetan wurde, hängt derjenige, der nachweislich nichts getan hat mit drin – und sei es nur moralisch. Ich will mir so einen Schuh nicht anziehen und mir dann ggfs. lebenslänglich Vorwürfe machen müssen. @Stefan: Wenn du das möchtest ist das deine Sache.

    Nochmal: wir gehen nicht gegen Gedanken vor, sondern wir gehen gegen öffentlich getätigte Morddrohungen vor. Das ist etwas völlig anderes.

    Nicht umsonst wurde mir übrigens schon als Kind, wenn ich sagte “Den bring ich um” klar gemacht, dass man so etwas nicht sagt….

    Nach all den Vorfällen in den letzten Monaten (in denen Amokläufe angedroht und durchgeführt wurden) müsste inzwischen auch angekommen sein, dass gerade solche Äußerungen in der Öffentlichkeit eigentlich nur missverstanden werden können (bzw. ernst genommen werden). Gerade bei längst erwachsenen Personen – wie das hier auch der Fall war.

    • Wir reden aneinander vorbei. Die Crux ist, dass es so rund 99,9% derjenigen, die so etwas bei Team-Ulm oder sonstwo im Netz veroeffentlichen, nicht bewusst ist, dass sie das in einem oeffentlichen Raum mit Speicher tun. Und die zweite Crux ist, dass mir bislang kein Fall bekannt ist, in dem aufgrund einer derartigen Aeusserung ein tatsaechliches konkretes Tatvorhaben verhindert wurde.

      Nur so als Vergleich: Sage ich so etwas auf dem Schulweg, bin ich zwar auch oeffentlich, und theoretisch koennte jeder Mensch der Welt das mithoeren, wenn er denn in der Naehe waere. Es gibt aber keinen Aufzeichnungskasten, so dass jeder zu einem beliebigen spaeteren Zeitpunkt dorthin gehen und nachvollziehen kann, was derjenige gesagt hat. Und hier liegt das Problem, auf das du ueberhaupt nicht eingehst. Es gibt naemlich eigentlich genau die zwei Moeglichkeiten, die ich genannt habe: Alles filtern, was von irgendjemandem missverstanden werden koennte und nur das veroeffentlichen, was vollkommen eindeutig ist. Oder riskieren, dass der Betreiber gegebenenfalls die Strafverfolgungsbehoerden auf einen lenkt.

      Kann sein, dass ich mich irre, aber eine dritte Option sehe ich nicht. (Quizfrage: Was wuerden wir mit einem Helge Schneider tun, der sich auf TU genauso verhaelt, wie er es auf der Buehne tut, von dem wir aber nicht wissen, dass es Helge Schneider ist? Ich weigere mich nach wie vor, das Zitat als konkrete Morddrohung anzuerkennen.)

      Was mich an der Auswahl am meisten stoert ist, dass wir nicht darauf hinweisen, dass es eigentlich nur diese zwei Optionen gibt. Wir lehnen uns zurueck und verweisen im Zweifelsfall auf unseren Hintern, den wir ja schuetzen muessen, tun aber in der Hinsicht nicht sonderlich viel, um moeglichst zu vermeiden, dass ueberhaupt irgendjemandes Hintern in die Schusslinie kommt.

      • Michael "septicus" Reimann sagt:

        Wenn ich dich richtig verstehe, findest du, dass Nutzern unterstellt werden sollte, dass sie selbst nicht fähig und in der Lage sind zu denken und ihr Handeln und dessen Konsequenzen zu überdenken.

        Eine solche Einstellung finde ich sehr gefährlich und auch gegenüber den Nutzern respektlos.

        Es sollte inzwischen bei allen Nutzern des Internets angekommen sein, dass das Internet ein Medium ist, das von allen Menschen weltweit genutzt werden kann (sofern sie die dazu nötigen technischen Mittel zur Verfügung haben) und Beiträge im Internet von allen Menschen netzweit gelesen und interpretiert werden können.

        “Und die zweite Crux ist, dass mir bislang kein Fall bekannt ist, in dem aufgrund einer derartigen Aeusserung ein tatsaechliches konkretes Tatvorhaben verhindert wurde.” – dir persönlich nicht. Aber: entsprechende Presseberichte, wie der, dass einer der Amokdroher in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen wurde spielen dafür in deinen Augen keine Rolle? (Um nur mal die offiziellen Quellen zu nennen – von den inoffiziellen mal ganz abgesehen).

        Eine Morddrohung (und was anderes ist ein “XYZ wird den Lehrer töten” nicht – Kontext hin oder her.) ist kein Kavaliersdelikt. Und wenn man sich äußert, sollte man sich darüber im Klaren sein, was man da von sich gibt und was das für Konsequenzen haben kann, zumal wenn man das so öffentlich schwarz auf weiss macht. Und soviel Denken sollte den (erwachsenen) Nutzern zugetraut werden…

        Übrigens: ich weise auf derlei Dinge in meinen Vorträgen hin. Jedesmal.

        Weitere Vorschläge, wie Nutzer wirksam darauf aufmerksam gemacht werden können, dass ihre Beiträge auch missverstanden werden könnten, und daher ein Mindestmaß an gesellschaftlich anerkannten Kommunikationsregeln (oder besser noch: Äußerungen die keine Straftat darstellen) aufweisen sollten, sind willkommen.

        • Wenn ich dich richtig verstehe, findest du, dass Nutzern unterstellt werden sollte, dass sie selbst nicht fähig und in der Lage sind zu denken und ihr Handeln und dessen Konsequenzen zu überdenken.

          Ach komm. Ich will hier niemandem die Faehigkeit zu eigenem Denken absprechen. Ich bin aber durchaus der Ansicht, dass vielen die moeglichen Konsequenzen nicht bewusst sind. Ich suche heute schon den ganzen Tag nach einer Studie, die ich vor einigen Monaten gefunden habe, die im Wesentlichen genau das aussagt. Werde ich nachreichen, sobald ich sie gefunden habe.

          Aber: entsprechende Presseberichte, wie der, dass einer der Amokdroher in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen wurde spielen dafür in deinen Augen keine Rolle?

          Genau das ist doch der Punkt, auf den ich hinauswill. Leute landen wegen unbedachter Aeusserungen in psychiatrischen Einrichtungen. Nur zum Schutz natuerlich. Ist eine Diskussion ueber solche Verhaeltnisse von vorneherein ausgeschlossen?

          Eine Morddrohung (und was anderes ist ein “XYZ wird den Lehrer töten” nicht – Kontext hin oder her.) ist kein Kavaliersdelikt. Und wenn man sich äußert, sollte man sich darüber im Klaren sein, was man da von sich gibt und was das für Konsequenzen haben kann, zumal wenn man das so öffentlich schwarz auf weiss macht. Und soviel Denken sollte den (erwachsenen) Nutzern zugetraut werden…

          Ich wuerde hier bei einer FueG-Besprechung gerne mal wieder das Thema Privacy-Einstellungen auf den Tisch bringen. Wie waere es denn, wenn so ein Status — wie beispielsweise bei Facebook, oder auf Wunsch bei Twitter, oder sonst auch sehr verbreitet — nur denjenigen Nutzern zugaenglich ist, denen der Ersteller auch “vertraut”? Das wuerde auch unsere Rolle als “Aufpasser” neu bewerten.

          Und nur weil du es staendig wiederholst, wird aus einem dahergesagten “XY werde ich morgen toeten -.-” keine Morddrohung. Ich weigere mich strikt, das pauschal so anzuerkennen.

          • Michael "septicus" Reimann sagt:

            Technische Funktionen wie von dir vorgeschlagen sollten wir am besten Mal in einer Arbeitsgebietsleitersitzung besprechen.

            Im Prinzip befinden wir uns ja auf einer Linie und finden die Situation in die wir durch solche unbedachten Äußerungen seitens der Nutzer geraten beide nicht gut. Die Frage ist, wie möglichst schon im Vorfeld sinnvoll verhindert werden kann, dass Äußerungen getätigt werden, die dann missverstanden werden und zu solchen Konsequenzen führen können.

            Aber auch das sollten wir besser mal direkt und nicht hier besprechen.

  3. Lix sagt:

    Nach einer Amokdrohung im Internet gegen eine Schule im Landkreis Biberach (Baden-Württemberg) hat die Polizei einen 17-Jährigen festgenommen. Der Auszubildende soll wegen eines Streits mit einem Schüler der Realschule in Schwendi für heute einen Amoklauf angekündigt haben, wie die Polizei mitteilte. Die Ermittler durchsuchten noch in der Nacht die Wohnung des Verdächtigen und nahmen ihn fest. Die Fahnder beschlagnahmten den Computer des Jugendlichen. Waffen, Sprengstoffe oder sonstige gefährliche Gegenstände entdeckten sie nicht.

    http://www.bild.de/BILD/news/telegramm/news-ticker,rendertext=10467090.html

    http://www.radio7.de/index.php?id=73&tx_ttnewstt_news=15986&tx_ttnewsbackPid=1&cHash=1328c9c74d

    http://www.radio-seefunk.de/default.aspx?ID=6533&showNews=592526

    ==============================================
    Jo So siehts aus..!!

    • Michael "septicus" Reimann sagt:

      Das war nicht der oben geschilderte Fall. Der von dir genannte und in den Medien aufgeführte Fall hat sich am Sonntag zugetragen.

  4. Michael sagt:

    Ich denke auch dass solch eine, auch noch schriftliche, Ankündigung an öffentlicher Stelle auf jeden Fall ernst genommen werden muss!
    Es wäre unverantwortlich angesichts der vergangenen Erfahrungen hier untätig zu bleiben.
    Selbst wenn das “nur so dahin gesagt” ist, sollte der Einsatz der Justiz den Schreiber zumindest einmal zu der Überlegung bringen, was er damit getan hat. Wenn sich danach herausstellt, dass keine Gefahr besteht, kann man ja immer noch entspannen.

    Erschwerend kommt hinzu, dass man Amokläufe nicht durch höhere Strafandrohung verhindern kann, da die Amokläufer in der Regel von ihrer Selbsttötung ausgehen und damit einer Strafverfolgung nicht mehr ausgesetzt sein werden.

  5. andy sagt:

    solche androhungen sollen mit aller härte des gesetztes bestraft werden. ganz ehrlich. und es ist wirklich kein spass. es ruft erinnerungen hervor, die man eigentlich mal vergessen will, vor allem als betroffener, auch wenns lange her ist.

    ich weiss nicht, wie man auf solch eine irrsinnige idee kommt. langeweile, zu wenig aufmerksamkeit von den nachbarn?

    das macht betroffen.

  6. Hell_RazOr sagt:

    Die Menschheit tut mir langsam wirklich leid.

    Oft stecken auch Kleine Kinder dahinter die denken sie könnten mit ihrem Plastikmesser ihre Lehrer Töten^^

    Hoffe er hat seinen Hintern versohlt bekommen.

  7. MISTER_ED sagt:

    ne so klein ist das Kind glaub net gewesen,

    Wenn ich mich richtig erinnern kann, dann war das im Schönen Örtchen Munderkingen, und dieser Junge wurde in die psychatrie eingewiesen.

    die ganze Familie ist auch total verrufen


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