Medienkompetenz

Ein böses Wort. Möchte man meinen. Wenn es nach manchen Eltern geht.

Worum es geht? Nunja, das ist schnell gesagt: es geht darum, dass der Umgang mit Medien jeglicher Art eine Sache ist, die es gilt, Kindern und Heranwachsenden verantwortungsvoll nahezubringen, sodass sie irgendwann – nicht allzulang, nachdem sie der Kindheit entwichen sind und als Jugendliche durch die Welt wandeln – den Umgang und Konsum der verschiedenen Medien mit zunehmendem Alter mehr und mehr eigenverantwortlich tätigen können.
Wem fällt die Aufgabe der Kindererziehung üblicherweise am Meisten zu? Nunja… da gibt es eigentlich nicht viel zu diskutieren: den Erziehungsberechtigten des jeweiligen Kindes – in aller Regel sind das dessen Eltern.

Soweit, so (fast) klar.

Und bei diesem kleinen “(fast)” liegt der Haken.

Neulich war in einem Ulmer Gymnasium (das mit dem eigenen Theater-Anbau) ein Projekttag, der sich dem Thema Medienkonsum gewidmet hat. Im Rahmen dieses Projekttages gab es eine Podiumsdiskussion, an der teilzunehmen ich ebenfalls eingeladen war. Die Einladung nahm ich gerne an und traf dann an eben diesem Tag auf der Bühne auf einen Drogenberater, einen Schüler, eine Dame, die sich mit der Suchtwirkung von Online-Rollenspielen beschäftigt, sowie eine Mutter (Akademikerin) von vier Kindern im Alter zwischen 10 und 20.

Im Rahmen dieser Diskussion kam auch die Frage danach auf, wer den Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln habe. Allein schon diese Fragestellung war für mich etwas absurd – aber aus der Sicht so mancher Beteiligter (Lehrer als Moderator) durchaus nachvollziehbar. Die Antworten der einzelnen Teilnehmer waren denn auch wie von mir erwartet – siehe oben. Allerdings: Als die Reihe an die Mutter kam, die Frage zu beantworten, war deren Aussage, dass man sich als Eltern nicht um alles Neue kümmern könne und sie gar keinen Bezug zum Internet habe, die technischen Möglichkeiten nicht kenne und sich auch nicht damit beschäftigen möchte. Nungut. Das mag ein Standpunkt sein. Von großem Verantwortungsbewusstsein in Sachen Kindererziehung zeigt das in meinen Augen nicht.

Im Nachgang der Diskussion kam es dann zu einer etwas zwang- und formloseren Weiterführung der Diskussion, in die sich auch einige der anwesenden Lehrer einbrachten. Vereinzelt kamen hierbei Aussagen wie “wir kennen uns damit auch nicht aus, und haben schon soviel zu tun, dass wir uns damit nicht auch noch zusätzlich beschäftigen können” – Naja.. kein sehr glückliches Argument (schließlich sind oder werden diese Lehrer ja evtl. auch Eltern). Man kann den Lehrern und der Schule jedoch zugute halten, dass sie das Problem erkannt hat und daran arbeitet, es mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln anzugehen (daher auch der Projekttag und weitere Informationsveranstaltungen zu dem Thema).

Übrigens:
Die abschließende Frage des offiziellen Teils befasste sich damit, dass die einzelnen Diskutanten ihre Sicht der zukünftigen Entwicklung des Internets auch aus gesellschaftlicher Sicht darlegen möchten. Besagte Mutter nahm das zum Anlass über das Internet zu schimpfen und anzumerken, dass ihr das Internet auch deshalb Angst mache, da dadurch die Gesprächskultur auch in den Familien kaputtgehen würde, da sich die Heranwachsenden bei Streitgesprächen zurückziehen und vor den PC setzen würden. Mit Verlaub: Thema verfehlt. Setzen. 6. Nicht für die Kids. Für die Mutter. Denn das hat primär nichts mit dem Internet zu tun. Das hat ganz konkret mit der Erziehung von Kindern zu tun und was man als Eltern toleriert und was nicht. Oder auch damit, dass es versäumt wurde, dem Nachwuchs schlicht Respekt im Umgang mit der Umwelt beizubringen. Im Übrigen hat jeder Computer und jeder Fernseher auch einen Knopf, an dem ihn Mama oder Papa (oder Kind) auch abschalten können.

Ganz allgemein:
Es bringt nichts, als Eltern die Verantwortung für (Teilaspekte) die Kindererziehung betreffend auf andere abzuwälzen. Auch wir als Betreiber von Team-Ulm.de erfahren solche Denkweisen immer wieder, wenn Eltern an uns herantreten (“ich dachte, sie passen auf mein Kind auf, wenn es bei Ihnen auf der Seite ist”). Solche Denkweisen sind erschreckend und zeigen von fehlender Verantwortung der betreffenden Eltern sowie von einem gänzlich falschen Verständnis vom Umgang mit Medien im Allgemeinen und dem Internet im Besonderen.

Das Internet ist genausowenig wie der Fernseher ein Baby- bzw. Kindersitter.

Daraus folgt aber auch:

PCs haben in Kinderzimmern nichts verloren.

Schon gleich gar nicht solche mit Internetanschluss. Raus damit an einen Ort in der Wohnung, an dem Eltern vorbei kommen müsssen, um immer wieder auch sich selbst zu zwingen, den Konsum des Nachwuchses wahrzunehmen.

Genausowenig ist es aber sinnvoll, Kinder komplett von den Medien zu isolieren und sie dann am 18. Geburtstag ohne Vorkenntnisse darauf loszulassen. Denn dann fällt auf einmal die dicke Watteschicht weg und der Nachwuchs garantiert auf die Nase. Daher kann es nur so funktionieren, dass Kinder und Jugendliche begleitet und im Dialog an neue Dinge und neue Medien herangeführt werden. Hierzu muss vor allem und in erster Linie das Vertrauensverhältnis von Eltern und Kinder zueinander stimmen. Und hierbei eine gesunde und tragfähige Basis aufzubauen kann nicht früh genug begonnen werden.

Und verdammt nochmal: Eltern haben sich auch an die eigene Nase zu packen und sich für den Umgang ihres Nachwuchses zu interessieren. Sich also auch soweit in die Themen und Entwicklungen einzuarbeiten, die ihre Kinder beschäftigen, dass sie diese mindestens ansatzweise verstehen und den Kindern eine helfende und anleitende Hand sein können.

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4 Kommentare zu „Medienkompetenz“

  1. Felix "TheBrainless" Wohlfrom sagt:

    Sehr guter Artikel.
    Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass die Eltern nicht mehr die Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder übernehmen möchten. Leider liest man viel zu Häufig, dass die Schulen, das Umfeld oder die Polizei versagt hätte, wenn es Probleme gibt (im krassesten Fall ein Amoklauf). Aber das sich in den meisten Fällen die Eltern nicht genug um die Kinder gekümmert haben, wird meiner Meinung nach viel zu oft verschwiegen. Und nachher wundert man sich, wenn die Kinder nicht genau wissen, wie sie sich in einer funktionierenden Gesellschaft zu verhalten haben, da sich niemand richtig um sie kümmert. Die Eltern sind der Meinung, dass die Schule oder die Betreiber einer Internetseite sich um die Kinder kümmern, die Lehrer und Betreiber sind (zu Recht!) der Meinung, dass die Eltern dies übernehmen müssen. Es wäre mal sinnvoll, in der Richtung mehr Geld und Zeit in die Aufklärung der Eltern zu investieren.

  2. Holger "LP-Maze84" Barthel sagt:

    Endlich sagt mal einer was Sache ist.
    Schade nur, das dieser Blog, noch zu wenigen bekannt ist.
    Aber, wie Felix schon richtig sagt, sollte in dieser Richtung mehr Geld und vor allem mehr Zeit investiert werden.

    Ich bin selbst seit knapp 3 1/2 Monaten Vater.
    Ok mein Sohn hat mit dem Internet noch nix am Hut.
    Aber auch die Zeit wird kommen.
    Und wer weis was es bis dahin noch alles für Neuerungen gibt.
    Ok ich interessiere mich selbst dafür von demher kann und werde ich nicht versuchen mich da aus der Verantwortung zu reden.
    Denn wie Michael sagt, liegt die Verantwortung bei den Eltern.
    Ich werde meinem Sohn z. B. auch nicht erlauben so verdummende Trick-Serien wie SpongeBob oder so sehen zu lassen. Oder Simpsons. Jedenfalls nicht bevor er ned ein gewisses Alter erreicht hat.

    Ich bin jetzt 26 und ich muss sagen, das ich den größten Teil meiner Jugend ganz gut ohne PC, Internet, Handy und fast ohne TV ausgekommen bin. Und es hat mir nicht geschadet. Mittlerweile beginne ich ein Studium der Nachrichtentechnik an der Hochschule Ulm. Soll also heißen ich bin, trotz das ich ohne PC oder Internet aufgewachsen bin, kein “Hinterwäldler” geworden.

    Soll heißen, das ich der Meinung bin, das Kinder bis zu einem gewissen Alter (ich sag mal 12 oder 14 Jahren) noch ned unbedingt was im Internet zu suchen haben und auch ned unbedingt einen eigenen PC haben müssen.

  3. LtotheC sagt:

    Interessanter Artikel.
    Ich selbst bin 17 Jahre alt und bin eigentlich mit dem Computer aufgewachsen.
    Beschweren kann ich mich eigentlich nicht.
    Ich denke, ich bin dadurch nicht zurückgeblieben oder falsch entwickelt ;D

    Naja dazu muss ich aber auch sagen, dass ich erst mit ~ 14 einen eigenen Internetanschluss für meinen Computer bekommen habe.

  4. Thomas sagt:

    Denke schon, dass die Eltern und auch die Lehrer in die Pflicht zu nehmen sind.
    Beim TV hat man es ja genauso gemacht. Warum denn nicht die PC Zeit fùr Kids festlegen


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