Artikel-Schlagworte: „Nachtwächter“

Nachts in Ulm

Mittwoch, 25. November 2009 von Michael "septicus" Reimann

Nachts in Ulm ist es gefährlich. Zumindest war es das im Mittelalter wohl. Deshalb brauchte man damals einen Nachtwächter in der Stadt, der auch zu nachtschlafender Zeit in der Stadt nach dem Rechten gesehen hat. Ab 1563 bis ins 19. Jhd hinein gab es daher in Ulm Nachtwächter, die vom Rat der Stadt angestellt wurden (davor haben das die Bürger in Form eines “Bürgerdienstes” abwechselnd selbst erledigt).

Was das mit Team-Ulm zu tun hat? Zunächst nicht viel.

Aber: wir sind ein lustiges Team von jungen oder jung-gebliebenen Leuten, die in ihrer Freizeit auch gerne mal etwas über den eigenen Tellerrand hinausschauen und die Freizeit nicht nur dem Betrieb eines der größten deutschen regionalen sozialen Netzwerke widmen, sondern die auch gerne mal etwas miteinander unternehmen.

Da wir alle einen doch recht großen Bezug zu Ulm haben, und wir uns auch gerne in der Stadt aufhalten, ist uns bewusst, dass es Orte in der Stadt und Details in der Ulmer Stadtgeschichte gibt, die uns bisher nicht bekannt sind, die aber auch einfach nett zu erfahren wären. Daher haben wir uns gestern abend einer Stadtführung mit dem Ulmer Nachtwächter Karl-Heinrich gewidmet und so einiges mehr über das Leben im mittelalterlichen Ulm erfahren.

Dass das Fischerviertel (wie oft der gesamte Altstadtkomplex im Mündungsgebiet der Blau genannt wird) eigentlich aus Schiffer-, Gerber- und Fischerviertel besteht, war eine kleine Randnotiz. Interessant wurde es, als uns Episödchen aus dem mittelalterlichen Ulm berichtet wurden, wie die des Stadtmusikanten, der bei einem hohen Ulmer Bürger falsch aufgespielt hatte und deshalb an den Pranger gestellt werden sollte. Ebenfalls interessant war, den Hintergrund einiger heute weit verbreiteter Sprichworte wie  “die Felle davonschwimmen” und “das Wasser abgraben” zu erfahren, deren Herkunft durch den Nachtwächter eindrucksvoll geschildert wurden. Auch die Demonstration mittelalterlicher Foltermethoden wie das Anlegen der Daumenschrauben war überaus amüsant.  Bräuche wie, dass zur vollen Stunde in das Horn geblasen und ein kleines Sprüchchen aufgesagt wurde, haben die Stimmung ebenfalls gehoben.

Zu viele Orten an denen man so im täglichen Leben in Ulm einfach vorbeiläuft, und über die man kaum etwas oder nichts weiss, oder die man evtl. gar nicht kennt, wusste der Nachtwächter die eine oder andere Geschichte und verschaffte uns so auch einen anderen Blickwinkel auf Ulm.

Insgesamt ein toller Abend mit vielen neuen Eindrücken einer Stadt, die uns schon seit Jahrzehnten vertraut zu sein schien ;-)


blogoscoop