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Ernst zu nehmen oder nicht?

Sonntag, 15. März 2009 von Stefan "Frohike" Kaufmann

…das war die große Frage. Nicht nur für den baden-württembergischen Innenminister und diverse Online-Medien, die sich vor aller Welt vom deutschsprachigen 4chan-Pendant vorführen ließen. Sondern auch für uns.

Manche Situationen haben etwas surreales an sich. Ich kann mich noch erinnern, wie ich am 11. September 2001 stirnrunzelnd die Nachrichten verfolgt habe, und ich kann mich auch noch an lebhafte Diskussionen auf dem Pausenhof nach den Morden in Erfurt erinnern. Mancher zynische Spruch bleibt einem dann im Halse stecken — oder auch nicht. Und manchmal weiß man auch diese Sprüche noch richtig einzuordnen. Manchmal eben aber nicht.

Mit zwei solcher Fälle waren wir am Donnerstag konfrontiert. Fall Nummer 2 war meines Erachtens eine relativ klare Angelegenheit: Ein User gab am Donnerstag abend in seinem Status an, Winnenden sei “nur der Anfang”, binnen zweier Monate sei “Munderkingen dran”, ergänzt von einem “passenden” Profilbild mit Vermummung und Schusswaffe. Fall Nummer 1 ereignete sich schon in der Nacht auf den Donnerstag, als ein anderer User im Forum Sympathie für den Schützen äußerte — er könne nachvollziehen, warum jemand so etwas mache, und sei auch selbst schon vor solch einer Tat gestanden, nur habe es ihm an einer Waffe gemangelt.

Man kann sich jetzt über die Glaubwürdigkeit solcher Aussagen streiten. Persönlich bin ich versucht, hinter solchen Aktionen im besten Fall Wichtigtuerei und Blödsinn, im schlimmsten Fall ein Mobbingopfer ohne Halt zu sehen. Und es liegt der Verdacht nahe, hier User zu Gesinnungstätern machen zu wollen. Dem ist aber nicht so.

Man kann sich auch die Frage stellen, ob wir noch vor zwei Wochen anders gehandelt hätten. Ich kann das ehrlich gesagt nicht beantworten. Und persönlich habe ich etwas Bauchgrimmen bei der Sache. Fest steht jedoch, dass die Androhung eines Mordes eine Straftat darstellt — und falls diese Androhung auch nur halbwegs glaubhaft ist, müssen wir diese auch anzeigen. In Fall Nummer 2 haben wir, wie auch sonst üblich, den Status und das Bild mit der Schusswaffe umgehend gelöscht, und die Informationen an die Polizei weitergegeben. Diese wurde auch noch in derselben Nacht aktiv und stellte die abgebildete (Softair-)Pistole sicher. Bei Fall Nummer 1 kam das LKA Baden-Württemberg von sich aus mit einem Auskunftsersuchen auf uns zu, dem wir angesichts der Umstände auch nachkamen.

Ob diese beiden jungen Männer nun eine ernste Bedrohung waren, ob das ein Hilferuf war, oder einfach nur grober Unfug: Ich kann es nicht beurteilen. Falls es Unfug war, sollte man sich aber eines bewusst sein: Es ist mittlerweile doch ein großer Unterschied geworden, ob man blöde Sprüche im Kreis seiner Freunde ablässt, die diese richtig einordnen können, oder ob man sie ins Netz stellt, wo sie außerhalb des richtigen Kontexts schwer in die Hose gehen können.

Als abschließender Lesetipp sei auf den Blogeintrag von Björn Grau verwiesen, der mir aus der Seele spricht.

Spam-Nachrichten: Betrüger festgenommen, Team-Ulm sucht Opfer

Montag, 8. Dezember 2008 von Andreas "Interior" Buchenscheit

handy

Viele unserer User wurden in letzter Zeit mit aufdringlichen persönlichen Nachrichten über den Messenger von Team-Ulm.de genervt, in denen eine vermeintliche Singlefrau auf Kontaktsuche ist. Meldet man sich über die Handynummer per SMS bei der hübschen Dame, befindet man sich unmittelbar in einem SMS-Premium-Chat. Für schlappe 1,99 EUR pro SMS!

Da wir noch nie mit einem derart großen Aufkommen an unerwünschten Nachrichten und mit einer derart professionellen Vorgehensweise der Betrüger zu tun hatten, wurde die Angelegenheit bei der Staatsanwaltschaft Ulm zur Anzeige gebracht. Dank der Unterstützung mehrerer User, die Auswertung der Logfiles und die kooperative Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, konnte die Bande tatsächliche am vergangenen Dienstag aufgefunden und festgenommen werden.

[...]Weil sie Partnersuchenden mit betrügerischen SMS-Chats in großem Stil Geld aus der Tasche gezogen haben sollen, sind fünf Verdächtige aus dem Raum Kiel und Flensburg verhaftet worden. Bei Razzien in mehr als 40 Privatwohnungen und Firmenräumen in der Region hätten Ermittler zudem umfangreiches Beweismaterial sichergestellt[...]
Quelle: AFP über Google News

Das genaue Ausmaß ihrer “Arbeit” ist noch nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass die 5 Männer täglich nicht nur hunderte Spam-Nachrichten auf Team-Ulm.de verschickt haben, sondern auch auf anderen Internetseiten im großen Stil aktiv waren.

Damit den Angeklagten eine gerechte Strafe bevorsteht, ist die Staatsanwaltschaft Kiel auf der Suche nach Opfern. Wir bitten deshalb alle, die in irgendeiner Form mit den betrügerischen Nachrichten zu tun hatten oder gar durch Teilnahme an dem Premiumdienst betrogen worden sind, sich bei uns mit Namen und Anschrift über handyspam@team-ulm.de zu melden. Wir geben die Daten dann gesammelt und selbstverständlich höchst vertraulich behandelt an die Staatsanwaltschaft Kiel weiter. Gerne kann auch direkt mit der Staatsanwaltschaft Kontakt aufgenommen werden.

Staatsanwaltschaft Kiel
Schützenwall 31-35
24114 Kiel
Telefon: 0431 / 604-0

Wir freuen uns, dass durch die Festnahme endlich wieder Ruhe eingekehrt ist und wir von den ungebetenen Nachrichten ab jetzt verschont bleiben. Dieses Beispiel macht auch noch einmal deutlich, dass man im Internet nicht anonym ist und kriminelle Handlungen geahndet werden.

Warum der Handyspam bald ein Ende haben könnte

Mittwoch, 3. Dezember 2008 von Claus "Nitek" Näveke

Mit etwas Glück gehören die aufdringlichen Flirtversuche (von einigen auch liebevoll “Handyspam” genannt ;-) ) von Lara, Lina und wie sie alle hießen bald der Vergangenheit an:

Weil sie Partnersuchenden mit betrügerischen SMS-Chats in großem Stil Geld aus der Tasche gezogen haben sollen, sind fünf Verdächtige aus dem Raum Kiel und Flensburg verhaftet worden. Bei Razzien in mehr als 40 Privatwohnungen und Firmenräumen in der Region hätten Ermittler am Dienstag zudem umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, teilte die Kieler Staatsanwaltschaft mit. Es handele sich um das bundesweit erste Ermittlungsverfahren “aus dem Bereich virtueller Kontaktmärkte”.

Da das bei uns “tätige” Unternehmen ebenfalls aus der Region Kiel stammt, dürfen wir nun auf ruhigere Zeiten hoffen.

via Strafprozesse und AFP


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