Artikel-Schlagworte: „Problematisches“

Gut zu wissen

Dienstag, 17. März 2009 von Stefan "Frohike" Kaufmann

Der folgende Text wurde vergangene Woche von Kwick.de — dem lokalen Pendant zu Team-Ulm im Großraum Stuttgart — an seine Nutzer gerichtet:

“Bitte tut uns den großen Gefallen zum Schutz der Familien, keine Daten wie Namen, Profilnamen oder Adressen des Täters oder der Opfer zu veröffentlichen und nehmt damit Rücksicht auf die Familien, Angehörige und Freunde. DANKE! PS: Bitte gebt hier keine Infos preis auch wenn ihr den Amokläufer oder Opfer gekannt habt. Hier sind massig Zeitungsredakteure unterwegs, die nach Informationen huschen und sich extra Pofile eingerichtet haben. Bleibt sachlich bei der Diskussion an sich.”

Gut zu wissen. Auch wenn ich hoffe, dass wir diese Erkenntnis nie in die Tat umsetzen müssen werden.

Quelle: WUV, via Stefan Niggemeier

Ernst zu nehmen oder nicht?

Sonntag, 15. März 2009 von Stefan "Frohike" Kaufmann

…das war die große Frage. Nicht nur für den baden-württembergischen Innenminister und diverse Online-Medien, die sich vor aller Welt vom deutschsprachigen 4chan-Pendant vorführen ließen. Sondern auch für uns.

Manche Situationen haben etwas surreales an sich. Ich kann mich noch erinnern, wie ich am 11. September 2001 stirnrunzelnd die Nachrichten verfolgt habe, und ich kann mich auch noch an lebhafte Diskussionen auf dem Pausenhof nach den Morden in Erfurt erinnern. Mancher zynische Spruch bleibt einem dann im Halse stecken — oder auch nicht. Und manchmal weiß man auch diese Sprüche noch richtig einzuordnen. Manchmal eben aber nicht.

Mit zwei solcher Fälle waren wir am Donnerstag konfrontiert. Fall Nummer 2 war meines Erachtens eine relativ klare Angelegenheit: Ein User gab am Donnerstag abend in seinem Status an, Winnenden sei “nur der Anfang”, binnen zweier Monate sei “Munderkingen dran”, ergänzt von einem “passenden” Profilbild mit Vermummung und Schusswaffe. Fall Nummer 1 ereignete sich schon in der Nacht auf den Donnerstag, als ein anderer User im Forum Sympathie für den Schützen äußerte — er könne nachvollziehen, warum jemand so etwas mache, und sei auch selbst schon vor solch einer Tat gestanden, nur habe es ihm an einer Waffe gemangelt.

Man kann sich jetzt über die Glaubwürdigkeit solcher Aussagen streiten. Persönlich bin ich versucht, hinter solchen Aktionen im besten Fall Wichtigtuerei und Blödsinn, im schlimmsten Fall ein Mobbingopfer ohne Halt zu sehen. Und es liegt der Verdacht nahe, hier User zu Gesinnungstätern machen zu wollen. Dem ist aber nicht so.

Man kann sich auch die Frage stellen, ob wir noch vor zwei Wochen anders gehandelt hätten. Ich kann das ehrlich gesagt nicht beantworten. Und persönlich habe ich etwas Bauchgrimmen bei der Sache. Fest steht jedoch, dass die Androhung eines Mordes eine Straftat darstellt — und falls diese Androhung auch nur halbwegs glaubhaft ist, müssen wir diese auch anzeigen. In Fall Nummer 2 haben wir, wie auch sonst üblich, den Status und das Bild mit der Schusswaffe umgehend gelöscht, und die Informationen an die Polizei weitergegeben. Diese wurde auch noch in derselben Nacht aktiv und stellte die abgebildete (Softair-)Pistole sicher. Bei Fall Nummer 1 kam das LKA Baden-Württemberg von sich aus mit einem Auskunftsersuchen auf uns zu, dem wir angesichts der Umstände auch nachkamen.

Ob diese beiden jungen Männer nun eine ernste Bedrohung waren, ob das ein Hilferuf war, oder einfach nur grober Unfug: Ich kann es nicht beurteilen. Falls es Unfug war, sollte man sich aber eines bewusst sein: Es ist mittlerweile doch ein großer Unterschied geworden, ob man blöde Sprüche im Kreis seiner Freunde ablässt, die diese richtig einordnen können, oder ob man sie ins Netz stellt, wo sie außerhalb des richtigen Kontexts schwer in die Hose gehen können.

Als abschließender Lesetipp sei auf den Blogeintrag von Björn Grau verwiesen, der mir aus der Seele spricht.


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